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| Die Straße direkt vor der Ankunft in Santiago Atitlan |
Unsere eigentlich geplante Mitfahrgelegenheit von Guatemala City nach Santiago Atitlán hat sich leider zerschlagen, so dass wir neu überlegen mussten, wie wir fahren würden. Wir hatten zunächst vor allem an die Shuttle-Busse gedacht, da wir den sichersten und bequemsten Weg nehmen wollten. Nach Santiago direkt gibt es jedoch gar keine Shuttles, man hätte privat einen ganzen Minibus mieten müssen. Der empfohlene Weg wäre mit dem Shuttle nach Panajachel, einer sehr touristischen kleinen Stadt auf der anderen Seite des Sees, gewesen und von dort aus mit dem Boot nach Santiago Atitlán. Uns graute jedoch davor, mit unseren schweren Gepäckstücken in Panajachel umzusteigen. Insgesamt erschien die Möglichkeit, den normalen Bus zu nehmen viel einfacher. Er fährt die gesamte Strecke durch und nach den Informationen im Hostel und auch von Bekannten in Santiago Atitlán ist es im Moment sicher, mit dem Bus zu fahren.
Wir fuhren mit dem Taxi zum CENMA, einem recht großen, aber von wenig Menschen frequentiertem neuen Busbahnhof. Auf der Fahrt unterhält sich Gerrit mit dem Taxifahrer in gebrochenem Englisch mit eingestreutem Spanisch über Politik und aktuelles Tagesgeschehen. Der Taxifahrer betont seine Bewunderung für Europa, dass sie nach zwei großen Kriegen dauerhaft friedlich zusammen leben und eine so schnelle wirtschaftliche Erholung gemeistert haben. Außerdem erzählt er, dass er sich viel von dem neuen guatemaltekischen Präsidenten erhofft, der hart gegen Korruption vorgehen würde.
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| Baby auf Reisen |
Es war eine gute Entscheidung, den normalen Bus, die "camioneta", zu nehmen. Auf der Fahrt gab es jede Menge zu sehen und zu erleben. Die Fahrtzeit sind ungefähr drei Stunden und der Bus fährt entlang der Küste im Südwesten Guatemalas ein Stück die Panamericana entlang. Die Strecke ist ziemlich flach und gerade, das Klima ist im Tiefland feucht-warm. Die Fenster waren die ganze Zeit geöffnet, so dass die Hitze gut auszuhalten war, lediglich wenn der Bus stehen blieb, merkte man die schwüle Luft.
Milan gefällt die Fahrt offensichtlich besser, als die Fahrt im Minibus. Vielleicht ist es auch einfach die Ablenkung, denn während der Fahrt in der "Camioneta" passiert einiges. Zwischendurch kommen verschiedene Verkäufer in den Bus. Der erste möchte eine Spezialsalbe verkaufen, die normalerweise 2,50 EUR kostet, die er heute aber zum Supersonderpreis von umgerechnet 0,50 EUR verkauft. Sie hilft gegen alles von Rheuma bis Sonnenbrand. Er verteilt sie an alle im Bus zur genaueren Bestrachtung, doch ich glaube, dass niemand die Salbe gekauft hat und er sammelt gefasst alles wieder ein, wünscht einen schönen Tag mit Gottes Segen. Wenig später kommt ein Mann herein, der kleine Schokoladen verteilt, die auf Papptiere aufgeklebt sind, so ähnlich wie die Mai- oder Marienkäfer, die es in Deutschland manchmal gibt. Er erklärt die Multifunktionalität als Schokolade und Spielzeug. Und die beliebte Erklärung, dass diese Schokoladen ein Segen seien, die ihm einen legalen Broterwerb ermöglichten und ihn vor der Kriminalität bewahren würden. Es erinnert an die Straßenmagazinverkäufer in Berlin, allerdings ist die Lautstärke mit der sie gegen den Motor des alten Busses anschreien müssen eine ganz andere.
An vielen Orten oder Straßenkreuzungen steigen Frauen ein, die frisch zubereitetes Essen und Getränke verkaufen. Häufig sind auch ein paar Kinder dabei, die frittierte Kochbananen anbieten. Auf der Fahrt ist vieles dabei, was die guatemaltekische Küche zu bieten hat: Verschiedenste Zubereitungsformen von Mais, Hühnchen, Bohnen, Kochbananen und auch Kokosnüsse, Früchte etc. Wir probieren ein paar Sachen und werden dabei genau beobachtet. Es ist nicht alltäglich, dass Ausländer in dem Bus sitzen und dass sie dann auch noch ein Baby dabei haben ist wohl ein sehr seltener Anblick. Die meisten lächeln Milan zu, winken ihm und unterhalten ihn.
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| Da hatte sich der Bus schon wieder gut geleert. |
Neben dem Busfahrer gehört immer noch der "ayudante", der Gehilfe, zum Team der camioneta. Er ist dafür zuständig, das Geld einzusammeln, die am Straßenrand wartenden Fahrgäste einzusammeln, zum im Bus nach hinten durchgehen zu motivieren und vor allem auch dafür, das Gepäck auf das Dach zu bringen und rechtzeitig für die aussteigenden Fahrgäste wieder loszubinden. Dafür steigt er auch während der rasanten Fahrt hinten aus der Tür aus, klettert auf das Dach und kommt zur vorderen Tür wieder rein, die während der Fahrt ohnehin immer offen steht.
Auf der ganzen Fahrt läuft in fast ohrenbetäubender Lautstärke entweder das Beste aus den 80ern und 90ern oder Latino Musik, von Raggaeton bis Salsa war alles dabei. Damit haben wir Glück gehabt, denn es gibt auch Busse, in denen ununterbrochen christliche Lieder gespielt werden. Vorne in der "camioneta" hängen verschiede Aufkleber. Die meisten handeln irgendwie von Gott und/oder Jesus. Unter anderem der Text: " Herr Jesus, wenn dies meine letzte Reise ist, so führe sie mich zu Dir."
Wir freuen uns, als endlich der schöne See zu sehen ist. In Santiago angekommen, werden wir von einer guten Freundin abgeholt, die die Unterkunft für uns organisiert hat. Mit einem Tuktuk, einem motorisierten roten Dreirad mit einer Sitzbank fahren wir zu Rebekas Haus. Wir hätten nicht gedacht, dass wir zu viert (mit Barbara) und unserem gesamten Gepäck in dieses kleine Fahrzeug passen würden, doch es passte. Die Tuktuks sind neben Pickups extrem verbreitet und sie rasen in wahnsinnigem Tempo durch die engen und extrem steilen Gassen des Ortes.
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| Ein herzliches Willkommen in Santiago Atitlan |
Rebeka und Diego heißen uns in ihrem Haus ganz herzlich willkommen. Sie haben in den letzten Tagen vor unserer Ankunft noch sehr viel gemacht, um uns hier eine schöne Wohnung bereit stellen zu können. Die Küche ist bei unserer Ankunft noch so gut wie leer, doch innerhalb von zwei Tagen ist die Einbauküche fertig. Sie haben zwei Durchbrüche gemacht, damit alle Zimmer miteinander verbunden sind und alles ist neu gestrichen. Ein neues Bett steht da, Kleiderschrank, Polstergarnitur, Tische,... Es ist alles da, was wir brauchen um uns hier wohl zu fühlen. Doch das beeindruckendste und nach wie vor immer wieder faszinierendste ist der Blick aus unserem riesengroßen Wohnzimmerfenster. Der Vulkan San Pedro liegt direkt vor uns. Wir blicken außerdem über ein paar Häuserdächer und den See. Wir können den Vulkan in Gänze erblicken und doch füllt er beinahe die gesamte Fensterfläche aus. Es ist einfach wunderschön und jeden Tag sieht es ein bisschen anders aus, je nach Wolken, Sonnenstand etc.
An unserem ersten Abend hier gehen wir mit Barbara in einem "comedor", einem kleinen Restaurant, essen. Die Atmosphäre ist familiär und unformal und wir essen ganz klassisches guatemaltekisches Essen bestehend aus Eiern, Bohnen, Kochbananen, Käse selbstverständlich mit Tortillas (den typischen Maisfladen, die es als Sättigungsbeilage immer und zu allem gibt).
Es ist ein sehr schönes Gefühl, dass wir nun ein neues Zuhause haben und wir freuen uns über die Rückzugsmöglichkeit in einer eigenen Wohnung mit Anbindung an eine nette Familie.
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| Unser Wohnzimmerfenster mit Blick auf den Vulkan |





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