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| Panorama Sicht aus unserem Fenster |
Wir sind nun schon seit etwas mehr als einer Woche in Santiago Atitlán und es wird Zeit ein bisschen über diesen besonderen Ort zu berichten:
Santiago Atitlán ist mit geschätzten 46.000 Einwohnern der größte Ort an dem wunderschönen Lago Atitlán. Der See liegt auf ca. 1500 Metern und ist ein riesiger Vulkankrater mit ca. 10 km Durchmesser, der heute von drei Vulkanen umgeben ist: San Pedro, auf den wir aus unserem Wohnzimmerfenster schauen, Tolimán und Atitlán. Santiago ist die Hauptstadt der Tzutujiles, eine der 21 indigenen Bevölkerungsgruppen in Guatemala und Tzutujil heißt auch die Sprache, die hier hauptsächlich gesprochen wird.
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| Eine der wenigen breiten Straßen in der Nähe vom Bootsanleger |
Die meisten Leute leben von Landwirtschaft (vor allem Kaffee und Avocado) und von Kunsthandwerk, zunehmend spielt auch der Tourismus eine Rolle, der hier jedoch mehr aus Tagesausflüglern als aus Übernachtungsgästen besteht. Viele Einwohner tragen die traditionelle Kleidung bestehend aus Huipil (eine traditionelle reichlich bestickte Bluse) und Corte (ein Wickelrock aus buntem gewebten Stoff) bei den Frauen und aus Hemd und kurzer Hose bei den Männern. Wenn man durch Guatemala fährt, kann man an der unterschiedlichen Kleidung meistens schon ganz gut erkennen, woher die Menschen kommen. Es gibt einen großen Markt, der vor allem freitags Händler aus der ganzen Region anzieht.
Santiago Atitlán ist ein sehr lebendiger Ort, der sich in den letzten Jahren ziemlich verändert hat. Öffentliche Orte, wie der zentrale "parque" (der zentrale Platz zwischen Bürgermeisteramt oder Stadtverwaltung) oder der Bootsanleger sind sehr kunstvoll angelegt worden und laden zum Verweilen ein. In den letzten Jahren ist der Wasserspiegel des Sees erheblich gestiegen, so dass viele Leute Teile ihrer Grundstücke verloren haben und auch ein schöner Park, der am Bootsanleger angelegt wurde, nun tief unter Wasser liegt.
| Freitag ist Markttag |
Das Klima ist das ganze Jahr über in Santiago Atitlán sehr angenehm. Guatemala bezeichnet sich auch als "Land des ewigen Frühlings", wobei es im Tiefland tropisch-schwül ist und in noch höheren Regionen auch zu Frost kommen kann. Die durchschnittliche Maximaltemperatur liegt zwischen 22 und 24°C, die Minimaltemperatur zwischen 9 und 13°C. Von April bis Oktober ist die Regenzeit, in der es meistens nachmittags eine Stunde lang kräftig regnet. Den Rest des Jahres ist es überwiegend trocken. Insofern werden wir wahrscheinlich kaum Niederschlag haben und wahrscheinlich werden die schönen grünen Vulkanhänge am Ende unseres Aufenthaltes auch trockener und gelblicher aussehen.
Soviel zu den grundlegenden Informationen (denn einen deutschen Wikipedia-Artikel gibt es (noch) nicht).
Wir fühlen uns sehr wohl hier und durch Milan kommen wir noch mehr in Kontakt mit den sehr aufgeschlossenen aber trotzdem zurückhaltenden Menschen, als wir das alleine tun würden. Überall wo wir sind hören wir die Worte "chuúch" (gesprochen tschuutsch), das Tzutujil-Wort für Baby und "ha lind" was eines der vielen vom Spanischen ins Tzutujil adaptierten Wörter ist und so etwas wie süß bedeutet. Und es ist auch schön zu sehen, wie sich Milan an den vielen Babys und Kindern hier freut.
| Unter den Tüchern werden die Getränke warm gehalten. |
Wir gehen oft auf dem Markt einkaufen, der in einer mehrstöckigen Halle untergebracht ist und wo es das saftige köstliche Obst und jede Menge leckeres Gemüse gibt. Aber man bekommt auch alles andere dort von guatemaltekischen Spezialitäten über Kleidung, Spielzeug und Schreibwaren. Es ist meistens gedrängt voll, doch relativ ruhig. Es gibt nur wenige, die die angebotenen Waren bewerben. Wir freuen uns an den leckeren Früchten, die wir zu Hause in den Mixer werfen so dass wir einen super leckeren Früchte-Shake (hier auch "licuado" genannt) geniessen. In Santiago Atitlán gibt es keinen Supermarkt, aber man hat das Gefühl, dass in jeden fünften Haus ein kleiner bis oben hin mit haltbaren Lebensmitteln vollgestopfter Laden ist, wo man auch noch bis spät alles wichtige bekommt.
Abends wird es hier schon sehr früh dunkel und es herrscht dann eine ganz andere Stimmung in der Stadt. Es ist ein sehr lebendiger Ort und wir haben gehört, dass es in anderen Orten hier in der Gegend keineswegs nach Einbruch der Dunkelheit so lebendig zugeht. Auf dem zentralen Platz, dem "parque" gibt es zahlreiche Sitzmöglichkeiten und Banken. Wir gehen gerne abends nach Gerrits Spanischunterricht noch eine Runde spazieren. Die Straßen sind voller Menschen, die sich zu einem Großteil auf den Weg in ihre Kirche begegnen, aber es sind auch viele, die alleine oder in Gruppen dem Treiben zusehen. Abends gibt überall in den Straßen und vor allem auch am "parque" kleine Essensstände.
| Einer der vielen Marktstände |
Normalerweise wird etwas zu essen angeboten, zum Beispiel gegrillte Kochbananen mit Sahne, Maiskolben, Tamales, Tostadas (zum Essen ein andernmal mehr) und dazu gibt es warme Getränke, die in großen in Stoff gewickelten Behältern warm gehalten werden. Wir haben neulich "Atol de arroz en leche" getrunken. Das ist so etwas wir sehr flüssiger Milchreis schön süß und mit viel Zimt. Es tut gut, abends wenn es etwas frischer wird so etwas nahrhaftes und warmes zu trinken. Da es am billigsten und hygienischsten ist, trinken wir es mit dem Strohhalm aus einer Plastiktüte. Dazu haben wir "pupusas" eine Spezialität aus El Salvador gegessen, eine mit Käse gefüllte Teigtasche. In der Mitte des "parques" gibt es ein Relief von dem See mit den umliegenden Orten und Bergen. Wir setzen uns und schauen einer Gruppe von Jungen zwischen 10 und 13 Jahren beim Fangen spielen zu. Sie sind gut gelaunt, machen zwischendurch Kopfstand, spielen Streichholzfeuerschlucken und scherzen viel herum. Irgendwann werden sie auf Milan aufmerksam und sehr vorsichtig höflich und unsere Aufmunterung abwartend nehmen sie mit Milan Kontakt auf. Besonders einer der Jungen, Juan, 13 Jahre, hat Milan besonders ins Herz geschlossen. Er setzt sich zu uns und schaut Milan genauso neugierig an, wie Milan ihn. Vielleicht liegt es auch ein bisschen daran, dass er im Gegensatz zu den meisten anderen Kindern keine jüngeren Geschwister hat. Kurz geben Milan und Juan sich auch die Hand. Als wir uns verabschieden rufen alle "Adiós Milan" und dann wird weiter gespielt.


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