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Montag, 12. November 2012

La Antigua Guatemala

Das Wahrzeichen Antiguas - die Brücke diente Nonnen
dazu von einem Klosterteil in den anderen zu
kommen ohne auf die Straße zu müssen
Wir beschliessen unseren ersten Tag in Guatemala fuer einen Ausflug nach Antigua zu nutzen. Antigua ist eine Stadt mit ca. 35.000 Einwohnern im zentralen Hochland Guatemalas, nicht weit von der aktuellen Hauptstadt Guatemala Ciudad entfernt. Es ist eine sehr typische mittelamerikanische koloniale Stadt, die sehr gut erhalten und gepflegt und somit ein Anziehungspunkt für Touristen ist. Die Häuser sind fast alle einstöckig und es gibt mittlerweile auch ein Gesetz, welches verbietet höher zu bauen, um das Stadtbild, welches zum Weltkulturerbe gehört, zu erhalten. Zahlreiche Sprachschüler kommen aus aller Welt jeweils für ein paar Wochen und besuchen eine der unzähligen Spanischschulen. Häufig wird der Aufenthalt noch verbunden mit Freiwilligendiensten in verschiedensten Projekten in der Umgebung.

Wir fahren mit einem Shuttle-Bus, einem Kleinbus, bei dem die Fahrtkosten nicht in der Landeswährung Quetzal sondern in Dollar angegeben werden. Wir wollen in Antigua einen Eindruck von Guatemala bekommen und einen Freund von Annkathrin besuchen. Die Fahrt nach Antigua gibt schon einen ersten kleinen Vorgeschmack auf Land, Leute und vor allem auf die Transportwege. Holprig und extrem steil, teilweise sind Ausfahrtrampen für Fahrzeuge angelegt, deren Bremsen an den steilen Hängen versagen.

Camioneta im Vorbeiflug
Wohin man guckt, überall schauen einen auf dem Weg majestätische Vulkane an. Die sogenannten "Camionetas", alte nordamerikanische Schulbusse, sind der normale Transportweg für Menschen, Kleintiere und Waren. Sie sind sehr kreativ bunt angemalt, haben einen Frauennamen und eine mächtige Hupe. Sie werden meistens aufwendig gepflegt und poliert und sind vor allem im Bereich des Fahrersitzes liebevoll geschmückt.  Das Gepäck ist auf dem Dach verschnürt, das von drahtigen Kerlen mit Wucht hinauf gehieft wird. 


Prozessionsfiguren in einer Kirchenruine
Antigua ist voller Ruinen vor allem von katholischen Kirchen. Antigua hat im Verhaeltnis zu anderen Orten in Guatemala eine deutliche katholische Mehrheit. Da es ein konservativ geprägter Ort ist, haben die evangelischen Freikirchen einen schwereren Stand. In einer Ruine entdecken wir Prozessionsfiguren, die auf schweren Holzgestellen montiert sind. Sie kommen vor allem zu Ostern zum Einsatz. In der sogenannten "Semana Santa", der Woche vor Ostersonntag finden zahlreiche Prozessionen statt. Zur Vorbereitung werden meistens bis tief in die Nacht aus eingefärbten Holzspänen bunte Tepiche mit verschiedenen Mustern, Ornamenten aber auch biblischen Motiven in sorgfältiger Arbeit gestreut, die dann am nächsten Tag binnen Sekunden von der Prozession zerstört werden. Es ist ein beliebter und ehrenvoller Einsatz, die Prozessionsfiguren zu tragen. Das Gewicht ist erheblich, doch man muss meistens sogar eine größere Spende zahlen um mittragen zu dürfen.

Wir treffen Juan, einen Freund von Annkathrin, in einem Cafe in einem der unzähligen wunderschön begrünten Innenhöfe im Stadtzentrum. In diesem Cafe sollte es ursprünglich vor allem um den lokalen Kaffee gehen; Der Kaffee sollte als letzter Schritt der Kaffeeverarbeitung durch die Kaffeebauern selbst an Touristen ausgeschenkt werden. Eine schöne Idee, die jedoch viele Schwierigkeiten in sich barg. Unter anderem spricht keiner der Kaffeebauern Englisch und viele von ihnen auch nur rudimentäres Spanisch. Das Cafe ist initiiert von einem US-Amerikaner, der sich in dem Ort der Kaffeekooperative niedergelassen hat. Da es nicht gut lief, ist zwischendurch ein Schotte mit eingestiegen, der vorgeschlagen hat, das Cafe abends als Bar zu nutzen und Whiskey zu verkaufen. Eines Abends wurde dem schon recht betrunkenen Schotten jedoch das Handy im Lokal geklaut. Er rannte dem Dieb hinterher, stolperte auf der Jagd und brach sich das Bein, so dass er zurück nach Hause flog und nicht wieder kam. Juan ist jetzt mit eingestiegen, um das Cafe wieder rentabel zu machen und als wir dort waren, waren sie dabei Kerzenständer aufzuhängen und zu streichen.
Engel in Heldenkostümen

Wie die meisten Guatemalteken, hat Juan mehrere Jobs. Wir gehen noch in seinem kleinen Laden vorbei. Er ist besonders stolz auf seine Superhelden Engel, auch wenn er sich anfangs leicht geniert, aus Sorge, dass wir das uncool finden könnten. Er kauft einem alten Holzschnitzer Engelsfiguren in allen Größen ab und bemalt die mit einfachen Primärfarben zu Superhelden, Ronalds MacDonalds und so fort. Es gibt daher in seinem Laden eine ganze Reihe davon und die verkaufen sich wohl auch gut.


Auf der Rückfahrt nach Guatemala City sitzen wir mit lauter Deutschen im Mini-Bus. Überhaupt, ist alles sehr touristisch in Antigua und alle laufen sehr entspannt rum. Die Atmosphäre ist europäisch und es gibt nur wenige Bettler und nicht allzu viele Straßenhändlerinnen, die auch nicht sehr aufdringlich sind. Viele Einheimische haben Smartphones, meist iPhones - ein wichtiges Statussymbol - was finanziell wahrscheinlich ganz schön an die Reserven geht. 

Wir hatten jedenfalls einen schönen Tag mit vielen Eindrücken und Erlebnissen und fallen müde (die Zeitverschiebung ist noch ganz frisch) und zufrieden ins Bett.

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