| Ausdruckstarke Performance |
Am 3. Dezember ist der internationale Tag der Menschen mit Behinderungen. In Guatemala feiert man immer wieder gerne besondere Tage für irgendwen. So wurde neulich auch zum Tag der Ärzte gratuliert. Man gratuliert und feiert sich gerne. Auf jeden Fall war es das erste Mal, dass der internationale Tag der Menschen mit Behinderungen in Santiago Atitlán gefeiert wurde und es war ein grosses Event, das auch zu grossen Teilen live im Fernsehen übertragen wurde.
In Santiago Atitlán gibt es schon seit vielen Jahren den Verein ADISA, der sich sehr intensiv um die Belange von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderungen kümmert. Die Eltern von Freunden haben den Verein zusammen mit anderen betroffenen Eltern gegründet, nachdem ihr drittes Kind mit einer schweren Behinderung geboren wurde und sie feststellen mussten, dass es in Santiago Atitlán keinerlei Infrastruktur und Unterstützung für ihre besonderen Bedürfnisse gab.
| Camonieta mit 100 Rädern |
Mittlerweile ist das Wirken von ADISA sehr deutlich im Ort zu sehen. Am Ortseingang ist eine Schule gegründet worden, in die mit Kleinbussen Schüler aus der gesamten Umgebung gefahren werden. Es gibt eine Behindertenwerkstatt, in der aus alten Zeitungen und Magazinen mit viel Kleister ganz unterschiedliche Dinge gebastelt werden; von Schüsseln über Ohrringe bis hin zu Weihnachtsschmuck. Nicht selten begegnet man in der Stadt Rollstuhlfahrern, die sich zum Teil mit Elektrorollstühlen durch die steilen und engen Gassen bewegen. Es ist auffällig, dass die meisten in der Stadt bekannt sind und viel Hilfe und Ermutigung bekommen. Man kann sich kaum vorstellen, dass es vor fünfzehn Jahren auch dort noch ganz normal war, ein Kind mit Behinderung zu verstecken, da man es als Strafe Gottes empfand und sich dafür schämte.
Am ersten Dezemberwochenende war ziemlich viel los in Santiago Atitlán, denn neben dem Tag der Menschen mit Behinderungen gab es noch Veranstaltungen aufgrund des Welt-Aids-Tag, des Tages der Nicht-Gewalt gegen Frauen und des Gedenkens an das Massaker in Santiago Atitlán. Die Hauptveranstaltung war am Samstag Abend im "Parque", dem zentralen Platz in Santiago Atitlán. Dort ist ein Basketballplatz, der normalerweise meistens gleichzeitig zum Strassenfussball und Basketballspielen genutzt wird. Die Veranstaltung begann - wie üblich - mit deutlicher Verspätung. Es waren schon ziemlich viele Leute dort die geduldig um den Platz herum standen. Zwischendurch kamen noch Minibusse an, deren Dächer mit zahlreichen Rollstühlen bepackt waren.
Der Abend beginnt mit vielen Ansprachen, die zwar zum Grossteil auf Spanisch übersetzt wurden, die aber dennoch nicht ganz einfach zu verstehen waren, da die Lautsprecher nicht laut genug waren. Insofern waren wir dann froh, als dieser teil zu Ende ging. Es trat dann eine Rollstuhl-Tanzgruppe auf. Sie führten zusammen mit drei laufenden Tänzern eine Performance mit ganz unterschiedlichen Tanz und Musikstilen auf. Die Aufführung ist bewegend, da sie wirklich die Möglichkeiten eines jeden ausschöpfen und sich sehr deutlich mit allen Fähigkeiten aber auch Limitationen zeigen. Im zweiten Teil der Aufführung wird ein Gedicht vorgetragen, gelesen von einer der Rollstuhlfahrerinnen. Es geht um Jahreszeiten aber vor allem auch um das Leben eines behinderten Kindes.
| Der Clown amüsiert die Menge. |
Es ist für unser Empfinden ein bisschen schwierig zu hören wie diese Frau im Gedicht erzählt, wie sie auf die Welt kam und in die verweinten Augen ihrer Eltern geschaut habe und sie angefleht habe, dass sie doch auch eine Chance bekommen wolle. Dazu werden Duette zwischen den Rollstuhlfahrern und den laufenden Tänzern getanzt, zum Teil werden Rollen getauscht. Es sind beeindruckende Figuren, die die Fähigkeiten eines jeden Tänzers sehr deutlich machen. Ganz am Ende werden alle Tänzer vorgestellt und jeder von ihnen kommt noch einmal zu Wort. Sie plädieren dafür, akzeptiert zu werden. Sie wünschen sich Hilfe, wenn sie an einer Treppe nicht weiter kommen. Sie plädieren dafür, dass Eltern ihre Kinder nicht verstecken sollen weil sie eine Behinderung haben. Und sie danken Gott für die Möglichkeiten, die sie bekommen haben und gehen zum Teil auch so weit, ihre Erkrankung als Segen zu bezeichnen. Sie möchten kein Mitleid und keine Almosen haben, sondern betonen, dass sie Hände zum Arbeiten haben. Es ist viel Publikum da, die aufmerksam zuhören.
Sehr im Kontrast zu dieser Aufführung tritt noch ein ziemlich altbackener Clown auf - Clown Fruty. Er heizt dem Publikum ein, jongliert mit Bällen und Tellern, schreit herum und reißt kleine Kinder für Geschenke zu peinlichen Dingen hin. Zum Teil sind die Kommentare und Szenen skurril bis irritierend. Es betont sein Nicht-Macho-Sein und macht eine machohafte Anmerkung nach der anderen. Es gibt Mädchen und Jungengeschenke und weist immer wieder darauf hin, dass die nicht verwechselt werden dürfen. Zwischendurch lässt er Geräusche nachmachen. Hunderte bellen wie Hunde, Miauen wie Katzen und dann das Schrägste: "Wie machen die Indianer in Santiago Atitlán?" und alle antworten "Huhuhu". Ein bisschen anstrengend ist die Show, doch es ist viel Begeisterung zu hören.
Danach findet dann das Rollstuhl-Basketballspiel statt. Manschaften sind aus Guatemala City und angeblich auch aus El Salvador angereist. Die Spieler sind in einer "Camioneta" angereist, auf deren Dach über 30 Rollstühle gestapelt und festgebunden sind. Kaum ist die Camioneta zum Halten gekommen eilen auch schon zahlreiche Helfer herbei, die die vielen Rollstühle auseinander binden und nach unten heben. Auf dem Spielfeld treten zunächst eine reine Frauen- gegen eine reine Männermannschaft an. Das Spiel wird schnell spannend und das Publikum fiebert mit. Bis halb elf wird gespielt.
Am nächsten Morgen findet eine große Parade durch den Ort statt. Aus den Nachbarorten sind Fanfarencorps und verschiedenste Tanz- und Musikgruppen angereist. Es ist ein fröhliches und ausgelassenes Fest.
Danke für den Bericht liebe Annkathrin...Viele Grüsse aus dem kalten und verschneiten Berlin...ich mag die Kälte...und den Schnee...ansonsten das alljährliche ...die SBahn hat Verspätung...unter den Linden blinken die Lichterketten obwohl am anderen Ende der Stadt über mangelnde Berlingelder geklagt wird...und ich mags gemütlich mit Kerzen, bis bald Ramona
AntwortenLöschenWann kommt ihr zurück? Oder seit ihr schon da? Liebe Grüsse Ramona
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