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Samstag, 29. Dezember 2012

Volcan Atitlan

Letztes Wochenende ging es auf den Vulkan Atitlan. Eine spannende Angelegenheit. Annkathrin und Milan können verständlicherweise nicht mit, dafür ist Milan dann doch noch ein bisschen zu klein. Besonders schade für Annkathrin, die schon so oft wenn sie hier war vor hatte auf den Atitlan zu steigen und dann hatte sie die Gelegenheiten immer knapp verpasst.

Treffpunkt ist morgens am Parque um 5:30 Uhr. Per SMS lässt sich dann kurz zuvor noch erfahren, dass man sich doch erst um 6 Uhr trifft. Die meisten trudeln dann so irgendwann nach 6 Uhr auf. Und um 6:30 Uhr geht es dann tatsächlich per Pickup los. Gerrit hat also schon mal eine Stunde an dem berühmten Münze-Denkmal am Parque gehockt, das hätte eine Stunde mehr Schlaf sein können, grrr. Die erste Pickup Fahrt seines Leben entschädigt dann aber erstmal.

Es sind ausschließlich Jungs dabei und Gerrit ist der einzige Gringo. Nette Truppe auf jeden Fall. Und Daniel spricht auch Englisch, so dass sich Gerrit zur Not auch mal auf Englisch verständigen kann.

Die Route aufgezeichnet von
Gerrits GPS Kamera
Der Atitlan gehört zu den höchsten Vulkanen von Guatemala. Er ist schon seit über hundert Jahren nicht mehr aktiv und ragt in seiner perfekten Kegelform majestätisch über den Lago Atitlan. Vor unsere Haustür liegt ja der San Pedro, der gegenüber dem Atitlan fast zwergenhaft wirkt mit seinen gerade mal 2500 m. Unsere Wanderung ist eine verkürzte Route: Statt des siebenstündigen vollen Aufstiegs beginnen wir bereits auf 1800m Höhe, also 300m höher als Santiago Atitlan liegt.

Der erste Teil des Marsches führt durch dichten Wald. Ein schmaler Pfad, der an kleinen bewirtschafteten Flächen vorbei führt, bringt uns die ersten Höhenmeter. Schlussendlich ist es der härteste Teil des Aufstiegs: die Jungs legen ein gehöriges Tempo vor und bis zur ersten Pause lassen sie sich Zeit. Auf diesem Teil soll es auch immer wieder zu Überfallen kommen. Wir haben aber Glück, keine Macheten bewaffneten Gangster wollen uns Rucksäcke oder Wäsche abknöpfen.

Je höher wir steigen, desto mehr verändert sich die Natur um uns herum. Nur hier, in den meist von Wolken behangenen Hängen der zentralamerikanischen Vulkane soll es eine seltene Vogelart geben, die aussieht wie ein Truthahn mit Horn. Steht jedenfalls auf der Wikipedia Seite des Vulkans, wir haben keinen solchen Vogel gesehen. Es gibt jetzt häufigere Pausen, was Gerrit entgegenkommt, dafür ist es deutlich steiler.

Irgendwann gehen die urtümlichen Wälder mit Lianen und dichtem Blattwerk über in Nadelholz, das spärlich und trocken zwischen riesigen Lavasteinen wächst. Hier sammeln die Jungs kräftig Feuerholz und packen sich enorme Mengen auf ihre Schultern. Die meisten haben im Gegensatz zu Gerrit bloß Turnschuhe an und einfache Rucksäcke. Die Säcke Trinkwasser (das wird hier gerne in leichter tragbare Plastiktüten verpackt, die wiederum dann in einen großen Plastiksack gepackt werden) haben manche einfach in der Hand.

Lavageröllfelder auf den letzten Höhenmetern
Daniel und Gerrit werden netterweise ohne weitere Belastungen hoch gelassen auf den letzten Teil der Etappe. Da vor allem Gerrit sowieso ständig hinten anhängt und Daniel netterweise auf ihn wartet, heißen die beiden schnelle “Schäferhund” beim Rest der Gruppe: Daniel ist der Sohn eines Pfarrers, also “Pastor” und Gerrit ist der Deutsche, also “Aleman”, macht “pastor aleman”, das heißt Schäferhund.

Die letzte Etappe hat es noch mal in sich. Das ist der Teil des Vulkans, der aufgrund der hohen Höhe keinen Bewuchs mehr hat - ein einziges langes, steiles Feld von Lavagestein. Der größte Teil ist Geröll und ist extrem schwer zu begehen. Wir hangeln uns von einer festen Stelle zu nächsten und dennoch lässt sich das ein oder andere Mal ein Rutschen nicht verhindern.

Auf den letzten 100 Metern kommt dann tatsächlich einer der Jungs wieder nach unten “gelaufen” und nimmt Gerrit seinen Rucksack ab. Ohne ist kaum weniger gefährlich, aber immerhin sind es ein paar Kilo weniger auf dem Rücken, was nach fünfeinhalb Stunden Aufstieg auch eine Erleichterung ist.

Auf der Spitze angekommen erwartet uns ein fantastischer Ausblick. Eine Wolkenfront schiebt sich gerade auf Santiago Atitlan und den See von Süden zu, doch noch liegen die Vulkane alle frei und so haben wir Sicht auf die kleinen Brüder des Atitlan: seinen Zwilling Tuliman und gegenüber den kleinen San Pedro.

Zelten über der Wolkendecke direkt neben
dem Krater
Die Zelte sind schnell aufgebaut. Direkt auf der Kuppe des Vulkans gibt es von kleinen Steinmauern geschützte Areale für Zelte. Wir kommen aber als Gruppe am Kraterrand, schon einige Meter in den Krater hinein, unter. Dort ist es deutlich windgeschützter und wir werden nachts deutlich weniger frieren als auf der Kuppe selber.

Der Sonnenuntergang gegen 18 Uhr ist einer der schönsten, die Gerrit je gesehen hat. Ein Meer aus Wolken liegt unter uns. Nur die Gipfel der drei Vulkane ragen heraus, am Horizont sieht man weitere Vulkan-Kuppen. Der Vulkan Fuente spuckt auch gerade mal wieder Aschewolken aus, während die Sonne untergeht.

Schnell ist es eisig kalt. Der Wind tut sein übriges. Ein Feuer ist gemacht, dann wird Abendessen zubereitet. Die Tortillas können direkt in der Glut gewärmt werden. Heißes Wasser kommt auf Fertig-Nudelsuppen, es gibt Würstchen und feine Steak-Stücke. Gerrit hat Schokolade aus Deutschland mitgebracht, also “richtige” Schokolade, wie es sie hier nur sehr rar mal zu finden gibt. Aus einem Handy lassen wir bunt gemischte Hits laufen: von Bob Marley, Modern Talking, Shakira, Rammstein bis guatemaltekische Liedermacher ist alles dabei. Jede Menge lustige Sachen werden auf T’sutujil erzählt, dann ist ab 21 Uhr auch schneller Abbruch und alle machen sich in die Zelte zum Schlafen.

Im Hintergrund unser "Hausvulkan",
der vergleichsweise kleine San Pedro,
umgeben vom Lago Atitlan. 
Der Abstieg vom Vulkan beginnt gegen 9 Uhr morgens. Ein letzter Blick über das Plateau, dann geht es das steile Geröllfeld wieder herunter. Hier helfen nur der Einsatz aller Viere. Wie die Jungs das machen, ist Gerrit ein Rätsel, die sind extrem behende auf dem Untergrund und scheuen nichts. Dennoch legen sie sich seltener hin als er und Daniel es tun.

Als das Geröllfeld überstanden ist, könnte ein geruhsamer Abstieg beginnen. Doch die Jungs denken gar nicht daran. Um nicht unnötig viel Bremsenergie aufzubringen so scheint es, wird der Berg runtergelaufen und wo nötig gesprungen. Mit einem irren Tempo geht es also die Serpentinen hinab - schon beeindruckend.

Unten angekommen geht es zurück mit dem Pickup in die Stadt. Mit 20 Mann hinten auf einem Pickup zu stehen nach 11 Stunden schweißtreibender Wanderung und einer Nacht in vier Schichten Klamotten bei Minusgraden auf einem Vulkan ist das eine Testoron-haltige Angelegenheit, die genossen werden will. Später gibt es einige neue Freundschaften bei Facebook und Fotos werden ausgetauscht. Eine schöne Art sich kennenzulernen.

1 Kommentar:

  1. Hallo ihr beiden.

    Da möchte man mitgemacht haben!

    Bei uns geht es doch etwas ruhiger ins neue Jahr. Auf jeden Fall viele Grüße aus Rheinland-Pfalz. Kommt gut ins neue Jahr. Wir freuen uns schon drauf euch in Berlin wieder zu sehen und alles aus erster Hand zu erfahren.

    Sabine und Alex

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